Besichtigung des Psychiatrischen Zentrum Nordbaden in Wiesloch

mit der Akademie für Ältere
Leitung: Herbert Gressler

Am Donnerstag, den 19.3.2009 traf sich eine Gruppe von 20 Personen in Wiesloch, um das dortige Psychiatrische Zentrum Nordbaden zu besichtigen.

An der Pforte wurden wir vom stellv. Betriebsdirektor, Herrn Aenis, freundlich empfangen. Hier begann er mit seinen interessanten Ausführungen über die Geschichte des PZN Wiesloch, die Organisation und die vielen verschiedenen Angebote. Das PZN, welches bereits seit 1905 besteht, hat sich über die
Jahre hinweg zu einem hochmodernen Fachkrankenhaus für Psychiatrie entwickelt, das über eine Vielzahl von Untersuchungs- und Behandlungseinheiten verfügt. Es ist außerdem Lehrkrankenhaus der Universität Heidelberg und beherbergt auf seinem Gelände auch eine Gesundheits- und Krankenpflegeschule.

Das Angebot reicht von der Allgemeinpsychiatrie, der Psychotherapie und Psychosomatik bis zur Versorgung psychisch kranker Straftäter, der forensischen Psychiatrie und Psychotherapie, dem so genannten Maßregelvollzug. Ein weiteres großes Teilgebiet des PZN ist die psychiatrische Behandlung älterer Menschen, das Gerontopsychiatrische Zentrum, aber auch die Klinik für Suchttherapie und Entwöhnung. Eingeschlossen ist auch das psychiatrische Wohn- und Pflegeheim.

Mit dem Grundgedanken, "Arbeit" als ein kontinuierliches, zielgerichtetes, gekonntes und sinnvolles Handeln therapeutisch zu nutzen, wurde die Gärtnerei gegründet. Alle (kunst-)handwerklichen und "grünen" Produkte entstehen hier in therapeutischen Prozessen.

Das PZN hat eine eigene Bildungseinrichtung, die Akademie im Park. Hier werden ganzjährig viele Veranstaltungen zu den Themen wie Psychiatrie, Psychotherapie, Beratung, Pflege etc. angeboten.

Seit Februar 2008 ergänzt das stationäre Hospiz Agape, welches Hilfe für sterbenskranke Menschen bietet, das Angebot.

Die Teilnehmer waren sehr interessiert und es wurden viele Fragen gestellt, die Herr Aenis kompetent beantworten konnte.

Danach begann die Führung durch das Gelände, welches sich auf insgesamt 100 Hektar beläuft.

Wir haben an diesem Tag selbstverständlich nur einen Teil des Areals besichtigt! Diese wunderschön gelegene und sehr gepflegte Anlage konnten wir im Sonnenschein genießen. Dass sich Kliniken, Historie und Moderne, im Einklang befinden können, wurde hier vorbildlich gemeistert.


Beeindruckend war für uns insbesondere auch das "Erfahrungsfeld Sinnespark". Die einzelnen Stationen, die harmonisch über das Parkgelände des Psychiatrischen Zentrums verteilt sind, sprechen alle menschlichen Sinne an und tragen zur Sensibilisierung bei. Neben dem therapeutischen Nutzen und der Wohnumfeldverbesserung der hier lebenden Bewohner und Patienten gibt der Park durch die Öffnung nach außen allen Interessierten die Möglichkeit, die Gesamtheit ihrer Sinne neu zu erfahren und sich selbst als Mensch ganzheitlich wahrzunehmen. Besonders hervorgehoben sei der Barfußweg neben der Kirche.

Ein kleines Gartenhaus aus Bruchsteinmauerwerk, das ursprünglich zu einer Wein- und Obstbaumschule gehörte, wurde uns als das "Bronnersche Gartenhaus" vorgestellt.

Johann Philipp Bronner ist zu einem Wahrzeichen für die Weinstadt Wiesloch geworden. 1826 - 1858 war er hier als Apotheker tätig. Doch er war auch ein Pionier auf dem Gebiet des Weinbaus.
Die Freundschaft zwischen Bronner und seinem Mäzen Wilhelm von Baden manifestierte sich in der Errichtung der "Wilhelmssäule". Die rote, ungefähr zwei Meter hohe Säule aus rotem Sandstein trägt die schlichte Inschrift "Wilhelm - 1838" und steht innerhalb einer grandiosen Naturkulisse eines alten Lindenhains.

Nach diesem interessanten Rundgang ging es zur Station 40. Im Dachgeschoß konnten wir bei Kaffee und Kuchen verweilen.
Chefärztin Frau Dr. Angelika Abraham-Polster stellte uns das Gerontopsychiatrische Zentrum vor und referierte über das Thema "Der demente Patient". Im Anschluß daran hielt Herr Niestroj den Vortrag "Der depressive Patient". Die beiden Vorträge gaben uns Teilnehmern Anlass zu vielen Fragen, die umfangreich beantwortet wurden.

Frau Said, Pflegedienstleiterin, erzählte uns u.a. auch von den guten Erfahrungen bei der Einbeziehung von Tieren in die Therapie, vor allem auch bei Demenz-Erkrankungen. Es kommen regelmäßig ehrenamtliche Besuchsdienstler mit ihren Hunden auf die Stationen. Die speziell ausgebildeten Hunde sind jedes Mal eine Attraktion, auf die sich die Patienten freuen.
Auf einzelnen Stationen gibt es inzwischen z.B. eine Katze, Hasen und Meerschweinchen, die mit Begeisterung gestreichelt, getätschelt und gefüttert werden, wobei mancher Patient sich eher zurückhaltend verhält und lieber in der Zuschauerrolle bleibt. Am Ende jedoch profitieren alle von den Tieren.

Es war ein sehr informationsreicher und vielseitiger Tag im Psychiatrischen Zentrum Nordbaden in Wiesloch und wir danken allen Beteiligten für diese wirklich sehr interessante Besichtigung.

Text: Renate Rosenkranz. Bilder: Renate Rosenkranz und Herbert Gressler